01.09.2016
3½ Fragen an… Prof. Gregor Snelting, Sprecher des GI-Beirates der UniversitätsprofessorInnen und Prof. am KIT


 

Ihr Forschungstraum?
Ich mache Programmanalyse, für Compileroptimierungen, und für Software-Sicherheit. Mein Traum ist eine perfekte Sicherheitsanalyse, die alle Lecks im Code garantiert findet, und keine Fehlalarme erzeugt. Aber wir wissen schon lange, dass es so eine Analyse nicht geben kann. Der berühmte Satz von Rice sagt, dass perfekte Programmanalysen nicht berechenbar sind. Man muss entweder auf die Sicherheits-Garantie verzichten, oder durch algorithmische Tricks die Zahl der Fehlalarme reduzieren, ohne die Analyse zu teuer zu machen. Man muss deshalb lange schuften, bis man Sicherheitsanalysen hat, die reale Software wirklich behandeln können.

Was muss sich an der Universität/ in der Politik ändern?

Als Sprecher des GI-Beirates der UniversitätsprofessorInnen kämpfe ich schon lange für forschungsorientierte Lehre, für den Erhalt der Wissenschaftsfreiheit und gegen eine überbordende Wissenschaftsbürokratie. Es gibt immer mehr Regelungen, die gut gemeint sind, aber letztlich Studenten und Doktoranden schaden. Das gilt zB auch für die "strukturierte Promotion''. Viele Politiker glauben, wenn man nur die Doktoranden in ein organisatorisches Korsett zwängt, werden die Promotionen besser. Diese Denke verdanken wir auch Guttenberg und Konsorten. Aber nach meiner Erfahrung hassen talentierte Doktoranden zuviel Bürokratie, andauernde Zwischenberichte, nervtötende "Soft Skill'' Kurse; und sehnen sich nach kreativem Freiraum. Man muss jungen Talenten deshalb einen Vertrauensvorschuss geben. Und das geht nur, wenn auch die Professoren wieder weniger gegängelt werden; gleichzeitig bei Berufungen strikt auf wissenschaftliche Exzellenz geachtet wird statt auf "strukturelle'' Kriterien.

Lektüre muss sein. Welche?
Ich bin ein großer Thomas Mann Fan, lese aber am Wochenende und im Urlaub meist Science Thriller und Regionalkrimis statt richtiger Literatur... Und alltags die FAZ.

Und sonst so?
Ich wollte mal Musiker werden, fand aber zum Glück rechtzeitig heraus, dass ich Mathematik besser kann. Immerhin spiele ich jedes Jahr eine Live-Rockshow zur Begrüßung unserer Erstsemester. Siehe Foto 2.


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